Klimawandel als Inflationstreiber – was das für Ihr Depot bedeutet.

Klimawandel als Inflationstreiber – was das für Ihr Depot bedeutet

Dass der Klimawandel Geld kostet, ist keine neue Erkenntnis. Dass er auch die Preise über längere Zeit nach oben treiben kann – und damit die Kaufkraft unseres angelegten Geldes angreift –, verdient mehr Aufmerksamkeit. Denn ein Depot kann auf dem Papier wachsen, während von seinem Ertrag nach Inflation wenig übrig bleibt.
Eine aktuelle Analyse des NKI – Institut für nachhaltige Kapitalanlagen beschäftigt sich mit diesen Zusammenhängen. Physische Klimafolgen, unsere Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und die Kosten des wirtschaftlichen Umbaus können über unterschiedliche Wege auf die Preise wirken.

Drei Wege, über die Klima zu Inflation wird


Für mich ist diese Dreiteilung der Kern des Beitrags. Sie macht aus dem oft abstrakten Begriff „Klimarisiken“ konkrete Preistreiber:
– Climateflation: Dürren, Niedrigwasser und Ernteausfälle können Lebensmittel verteuern, Transporte erschweren und die Produktion beeinträchtigen.
– Fossilflation: Die Abhängigkeit von Öl, Gas und Kohle macht die Wirtschaft anfällig für Angebotsengpässe und geopolitische Konflikte. Höhere Energiekosten wirken bis in viele Alltagspreise hinein.
– Greenflation: Auch der Umbau zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft kann zunächst Kosten verursachen – etwa durch die Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen, die CO₂-Bepreisung oder energetische Sanierungen. Langfristig können effizientere Gebäude und eine geringere Abhängigkeit von fossiler Energie dagegen entlasten.

„Kahler Baum auf einer Wiese unter wolkigem Himmel.“
Symbolbild: Dürren, Ernteausfälle und andere physische Klimafolgen können den Preisdruck erhöhen.

Was die Zahlen erwarten lassen

Eine Untersuchung von Forschenden des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und der Europäischen Zentralbank berechnet für die erwarteten Klimabedingungen des Jahres 2035 einen zusätzlichen jährlichen Inflationsdruck: weltweit durchschnittlich 0,92 bis 3,23 Prozentpunkte bei Lebensmitteln und 0,32 bis 1,18 Prozentpunkte bei der Gesamtinflation.
Diese Zahlen beschreiben weltweite Modellrechnungen, keine konkrete Prognose für Deutschland. Die Bandbreiten hängen unter anderem von Emissionsszenarien, Klimamodellen und Berechnungsmethoden ab. Eine außergewöhnlich starke Anpassung an die Erwärmung könnte die Auswirkungen begrenzen.
Für mich folgt daraus: Bei einer langfristigen Geldanlage sollten wir nicht darauf vertrauen, dass sich jede Teuerungswelle schnell wieder erledigt. Klimafolgen können immer wieder neuen Preisdruck erzeugen.

Was das für Ihr Depot bedeutet


Bei fest verzinsten Anlagen zählt die Kaufkraft. Steigen die Preise stärker als die Verzinsung, verliert das angelegte Geld real an Wert. Inflationsindexierte Anleihen können einen Teil dieses Risikos abfedern. Ihre Kurse können allerdings ebenfalls schwanken, insbesondere bei Veränderungen der realen Zinsen.
Bei Aktien kommt es auf die Unternehmen an. Können sie höhere Kosten weitergeben, ohne ihre Kunden zu verlieren? Wie abhängig sind sie von fossiler Energie? Sind Produktionsstätten und Lieferketten gegen Extremwetter gewappnet? Solche Fragen gehören für mich zu einer sorgfältigen Unternehmens- und Fondsauswahl.
Auch Immobilien sind kein automatischer Inflationsschutz. Steigende Mieten können helfen, soweit Vertrag und rechtlicher Rahmen das zulassen. Gleichzeitig belasten höhere Finanzierungskosten, notwendige Sanierungen und mögliche Schäden durch Hitze oder Hochwasser den Ertrag und den Wert einer Immobilie.
Eine breite Streuung über Anlageklassen, Regionen und Branchen bleibt deshalb wichtig. Bei mehreren Fonds lohnt zudem der Blick auf deren tatsächliche Beteiligungen: Unterschiedliche Fondsnamen bedeuten noch lange nicht, dass auch unterschiedliche Unternehmen im Depot liegen.

Meine Einschätzung


Nachhaltigkeit war für mich immer eine Frage der Werte und des verantwortlichen Umgangs mit Kapital. Sie ist zugleich eine Frage der Risikosteuerung. Energieabhängigkeit, knappe Ressourcen und Klimafolgen beeinflussen Kosten, Gewinne und damit auch unsere Geldanlage.
Ein Nachhaltigkeitssiegel allein schützt allerdings weder vor Inflation noch vor Verlusten. Entscheidend ist, welche Risiken ein Anlagekonzept tatsächlich berücksichtigt und wie es diese begrenzt.
Mein Rat: Schauen Sie bei Ihrer Rendite genauer hin. Was bleibt nach Kosten, Steuern und Inflation übrig? Und wie widerstandsfähig ist Ihr Depot, wenn die Teuerung länger anhält oder stärker schwankt als erwartet?
Wer langfristig anlegt, sollte neben dem Depotwert auch die Kaufkraft im Blick behalten. Schließlich soll das Geld später etwas leisten können.

Angeregt durch eine Analyse des NKI – Institut für nachhaltige Kapitalanlagen.
Quellen: NKI Research „Klimawandel und Inflation – Auswirkungen des Klimawandels auf Inflation und Kapitalanlage“ (September 2026); Kotz, Kuik, Lis und Nickel: „The impact of global warming on inflation: averages, seasonality and extremes“, ECB Working Paper Nr. 2821 (2023).